Grundwissen Silberstandard

Geld entstand mit der Herausbildung der Eigentumsgesellschaften und des Freihandels vor über 3000 Jahren. Seither begleitet Geld das Wirtschaftsleben der Menschheit. Dabei wurde die meiste Zeit Silber in Gewichtseinheiten zum allgemein anerkannten Geld gekürt und wurde zum allgemeinen Maßstab der Preise. Gold spielte meist eher nur die zweite Geige. Das auch heute verbreitete Scheingeld (Fiat Money aus US $, Euro, usw.) ohne Deckung durch Rohstoffgeld mit innerem Wert hielt sich als Glaubensgeld (Kreditgeld) immer nur über kürzere Perioden. Nach den sich anschließenden Finanz- und Wirtschaftskrisen bis zur Hyperinflation kehrten die Menschen bisher mit guten Vorsätzen zu Silber oder Gold als Geld und Geldstandard zurück.

Definition "Silberstandard"

Unter Silberstandard versteht man ein gesellschaftliches Geldkonzept, bei dem die jeweilige Nutzergemeinschaft eine festgelegte Gewichtseinheit in Silber als Naturelement und Edelmetall als Wertmaßstab der Preise verwendet und allgemein als Geldeinheit nutzt.

Silberstandard, Goldstandard und Bimetallismus

Häufig kombinierte man in der Geschichte das Silber mit dem vielfach teureren Gold zu einem gemeinsamen Geldkonzept. Oft wurde dabei versucht, feste Wechselkurse zwischen beiden Metallen durch Festlegungen zu verwirklichen (sogenannter Bimetallismus). Ziel war es, einen festen Doppelstandard, also gleichzeitig den Silber- und den Goldstandard verwirklichen zu können. Da das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber in Gramm historisch  zwischen etwa 1:10 bis 1:80 schwankte, musste es im Lauf der Zeit bei der Einlösung solcher Wechselkursgarantien immer wieder zu Problemen, zu Währungskrisen kommen.

Engeres Begriffsverständnis. Der Begriff "Silberstandard" lässt sich unterschiedlich scharf definieren. Der Silberstandard in Form der kostenlosen freien Münzprägung für jeden Bürger (Free Minting Acts) stellt hier wohl die reinste Form dar. In diesem Geldkonzept konnte jeder sein Silber zur staatlichen oder privaten Münze bringen, wo es ihm kostenlos in Silbermünzen mit gleichem Silbergewicht umgeprägt wurde. Umgekehrt durfte jeder geprägte Silbermünzen auch wieder einschmelzen, um das Münzsilber für andere Zwecke nutzen und durfte Silber exportieren.

Weicheres Begriffsverständnis. Als Silberstandard können damit im weiteren Sinne auch Geldkonzepte verstanden werden, bei denen Silber bei der Geldmenge eine wesentliche Rolle spielt. So kann man eingeschränkt auch von Silberstandard sprechen, wenn wichtige Teile der Geldmenge einer jederzeit durch Silber einlösbar sind, bzw. als werthaltiges Silbergeld zirkulieren. Ein derart eingeschränkter Silberstandard existierte in den USA von 1934 noch bis 1964, als auf im Wert von Milliarden US Dollar herausgegebenen US Dollarscheinen per Aufdruck deren jederzeitige Einlösung in Silber garantiert war (echte Silberzertifikate),  wofür beim US-Schatzamt die entsprechende Menge Silber voll hinterlegt war.

Rückkehr des Silberstandards?

Kehrt zukünftig etwa die Menschheit oder einzelne Nationen, Währungsunionen, Weltregionen oder beispielsweise Internet-Nutzergemeinschaften womöglich einmal wieder zum Silberstandard zurück? Oder zu einem kombinierten Geldkonzept, bei die traditionelle Qualität von Silber als Rohstoffgeld wieder seine wesentliche Rolle spielt?

Aus der in einer Zeitblase gefangenen Sicht der heute herrschenden Währungspolitik und Geldtheorie, die auf eine politisch möglichst frei manipulierbare, jedem Rohstoffgeld abgewandte Geldmengenpolitik abzielt, mag einem nichts ferner liegen als der Silberstandard. Schließlich geht der größte Teil der Minderheitenmeinung davon aus, dass im Rahmen einer Weltwährungsreform womöglich Gold oder gar dem Goldstandard wieder eine größere Bedeutung eingeräumt wird.

Wie so oft könnte auch hier die "Contrarian"-Perspektive, also eine der herrschenden Meinung widersprechende Auffassung der Weg sein, den schließlich die Marktteilnehmer als Lösungsweg wählen. Soweit sich Geschichte zyklisch in ähnlichen Variationen wiederholt, könnte man - zumindest empirisch-statistisch gesehen - dem Silberstandard ganz gute Chancen einräumen. Anders als Gold ist Silber nicht mehr durch große Vorräte als Währungsreserven, usw. hinterlegt. Nachdem die Staatskassen und Notenbanken das früher als Zahlungsmittel umlaufende Silbergeld der Bürger in Blech austauschten und die Rückdeckung von Papiergeld durch Silbervorräte verschwunden ist, ist der Silbermarkt - anders als der Goldmarkt - auch weniger durch Verkäufe des realen Metalls politisch manipulierbar.

Im Jahr 2008 stieg in Deutschland und Österreich die private Nachfrage nach Silbermünzen für Anleger um rund 400%. Dass international monatelange Lieferzeiten die Regel waren, zeigt, dass das ein immer größer werdender Teil des Publikums dem "Braten" ungedeckter Währungssystemen in der aktuellen Kredit-, Finanz- und Bankenkrisen misstraut und mehr und mehr auf das traditionell bewährte Geldmittel Silber zurückgreifen.

Historisch Etappen des Silberstandards

Unter dem Thema "Silberstandard" sind Beiträge auf claro.com geplant, um interessante Rückblicke in einzelne Etappen der Geldgeschichte von Silber und des Silberstandards zu ermöglichen. Hier seien nur kurz ein paar unvollständige Erläuterungen gegeben:

Die Nutzung von Silber als Tausch-, Wertaufbewahrungsmittel und Maßstab der Preise nach Eigengewicht lässt sich (neben Getreide) in Mesopotamien und Altägypten bereits bis 3.000 vor Christus zurückverfolgen. Nach "Erfindung" der Münzen setzte sich nach dem Lydischen Stater aus Elektron (eine natürlich vorkommende Gold- & Silberlegierung) bald der Silberstandard durch. So verbreitete sich die athenische silberne Tetradrachme bereits 500 vor Christus im Mittelmeerraum.

Das römische Reich reformierte sein frühes Münzwesen 212 v. Chr. über ein festes, nach Metallgewicht geordnetes Bezugssystem von Silber- und Bronzemünzen.

Für Westeuropabegründete Karl der Großeim Jahr 784 mit dem Silberpfennig (Silver Penny) mit einem Münzgewicht von etwa 1,7 Gramm Reinsilber in 96%iger Silberlegierung eine Art "europäische Währungsunion" des Mittelalters. Mehr als 400 Jahre bestand Geld hier nur aus diesem Silberpfennig, erst etwa ab dem Jahr 1200 wurden zusätzlich andere Münzgewichte und Goldmünzen hergestellt.

In Persien und den islamischen Ländern (Kalifatstaaten ab dem 7. Jahrhundert) galt der silberne "Dirham". Der Dirham leitete sich aus der altgriechischen Silbermünze "Drachme" ab, die sich vorher über Byzanz bis nach Arabien verbreitete. Der Dirham galt sowohl als Gewichtsmaß als auch als geprägte Silbermünze als Silberstandard, und war bis vor wenigen Jahrzehnten in islamischen Ländern gängiges Zahlungsmittel aus Silber. Hier reicht der Silberstandard von der Athener Tretradrachme 500 vor Chr. bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts.

In England galt der gesetzliche Silberstandard in Pfund Sterling bis 1816, als man sich auf den Goldstandard festlegte. Deutschland blieb bis 1971, die Lateinische Währungsunion (Frankreich, Italien, Belgien, Schweiz, Griechenland) bis 1873 beim Silber- und Goldstandard.

In Indien wurden bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. Silber- und Kupfermünzen geprägt. Das Wort "Rupie" - auch heute noch für die indische Währungseinheit im Gebrauch - leitet sich vom Sanskrit-Wort "Raupia" (Silber) ab. Das Festhalten Indiens am Silberstandard führte im 19. Jahrhundert beim Wechsel der führenden Industriestaaten zum Goldstandard zu Wirtschaftsproblemen. Erst 1898 wurde durch Pegging der Rupie ans englische Pfund der Goldstandard übernommen.

In China, in denen sich seit 200 v. Chr. Silber in Barrenform zunächst primär als privat von Kaufleuten genutztes Hort- und Tauschmittel verbreitete, kamen erst im 19. Jahrhundert massiv Silbermünzen als Silberstandard auf. Die Silberwährung verlor sich in den Kriegswirren der japanischen Invasion Chinas in den Jahren nach 1935.

Obwohl sich die USA 1873 vom Bimetallismus der Gründungsväter abwandte und den Goldstandard einführte, war die unter dem Motto "Das Verbrechen von 1873" Protestbewegung für den Silberstandard in den USA so stark, dass 1878 wieder eine Deckung von Silberdollars eingeführt wurde. Die Preisverbilligung von Silber durch die Silber-Demonetarisierung in Europa sprengte in der Krise ab 1993 den US-Bimetallismus. Mit dem in der Weltwirtschaftskrise in den USA für Inland erlassenen Verbot von Gold im Privatbesitz ab 1933 wurde 1934 für einen Teil der Dollarnoten eine Umtauschgarantie in Silber und die Rückdeckung von 25% der Geldmenge allein durch Silber beschlossen. Noch Präsident Kennedy ließ 1961 bis 1963 durch Präsidialerlass für Milliarden US $ Dollarscheine als Silberzertifikate drucken und ausgeben, die das Schatzamt in Silber hinterlegte und auf Verlangen auch in Silber auszahlte.

 

 

 

 

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